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Klartext zu Klartext: Ernährung

Als ich mich entschlossen hatte, den Verlag um ein Rezensionsexemplar zu bitten, dachte ich mir noch: „Na, mal sehen was das für ein Buch ist.“ Ich habe mit einem Sachbuch à la Bas Kast gerechnet. Doch ich wurde überrascht. Meine Rezension zu Klartext Ernährung von Petra Bracht und Claus Leitzmann.

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Rezension: Der Ernährungskompass

Das Buch „Der Ernährungskompass“ hat mein Leben verändert. Es kam zur richtigen Zeit und ich habe es gehört und auch gelesen. Wieso ich denke, dass jede_r es gelesen haben sollte und warum unsere Ernährungspyramide falsch ist, lest ihr in meiner Rezension.

Esst richtiges Essen. Das scheint die Quintessenz aus Bas Kast „Der Ernährungskompass“ zu sein. Selbstverständlich gibt es viel mehr zu beachten. Es ist wie immer komplizierter als es scheint, doch gibt das Buch einen erfrischenden Einblick in die Welt der Ernährung. Dabei ist dem Buch zugute zu halten, dass es den tausenden Diäten nicht noch eine hinzufügen will. 

Ich bin selbst schon an vielen Diäten gescheitert. Ich hatte mich schon abgefunden, wohl einfach übergewichtig zu bleiben. Ich mied das Thema Ernährung und Sport so gut ich konnte. Ich kochte zwar gern, aber nicht um möglichst gesund zu essen. Bas Kast hat mein Interesse für Ernährung wieder geweckt und mich in meiner Abneigung gegenüber Diäten bestärkt. Dafür hat mir das Buch mehr Freiheit und Souveränität gegeben, das heißt Informationen, um selbst entscheiden zu können. Nicht nur Informationen, sondern im Prinzip einen verständlichen Forschungsstand der aktuellen Ernährungsforschung.

© C. Bertelsmann

Der Wissenschaftsautor Bas Kast studierte Psychologie und Biologe, unter anderem am renommierten MIT in Boston/ USA. Er analysierte über Jahre hinweg Studien zum Thema Ernährung. Es ist kaum zu bewältigen, deshalb schaute er sich viele „Metaanalysen“ an, also Studien, die selbst viele Studien auswerten bzw. diese zusammenfassen (auch reviews genannt). Sein 2018 erschienenes Buch versteht sich in gewisser Hinsicht auch als eine Metastudie (zumindest mache ich das!); mit knapp 300 Seiten ist sie zwar ganz schön umfänglich, aber so geschrieben, sodass sie sich sehr gut liest.

Die Themen reichen von Proteinen über Kohlenhydrate bis hin zu Fetten. Bas Kast scheut nicht, Molekülketten in seinem Buch abzudrucken, um zu zeigen, worin der Unterschied zwischen gesättigten und ungesättigten sowie einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren besteht. Selbstverständlich fasst er alles knapp zusammen und gibt am Ende 12 Tipps für eine gute Ernährung. Die erste ist: Esst echtes Essen. Heißt: So wenig verarbeitete Lebensmittel wie möglich. Außerdem: So viel Pflanzen wie möglich, so wenig Fleisch wie nötig essen. Es kommt auch auf die Zeit an, wann wir was Essen. Eine Kalorie ist eine Kalorie entlarvt Bas Kast als eine Binsenweisheit, die auch noch falsch ist! Kalorien von unterschiedlichen Lebensmitteln, werden unterschiedlich gut von uns absorbiert und verarbeitet – unser Körper ist eben kein Stahlbehälter. 

Das Buch gibt Menschen – und ich schätze in dieser Art erstmalig – die Möglichkeit sich relativ einfach einen Überblick über den derzeitigen Stand der Ernährungsforschung zu verschaffen. Wir sind nicht mehr darauf angewiesen, auf Publikationen der Regierung zurückzugreifen oder Bücher zu dieser oder jener Diät zu lesen. Auch unsere Schulbücher sind hier nicht auf dem aktuellen Stand der Forschung, nicht mal auf dem von vor 10 Jahren. Das ist mir bei der Lektüre vor allem aufgefallen, wie viele Mythen rund im Ernährung in meinem Kopf fest verankert waren. Überzeugungen aus dem eigenen Schulwissen und aufgeschnappten Informationshappen. Der Ernährungskompass klärt auf, es ist ein emanzipatorisches Buch, denn es ermöglicht uns, evidenzbasiert Entscheidungen zu treffen. Was wollen wir Essen, wie wirkt sich welches Essen oder Lebensmittel auf mich auf. Wir wissen zwar viel, aber wir wissen oft das Falsche. 

Mit der falschen Ernährung fühlen wir uns schlecht und schlapp. Falsch ernährt befördern wir auch oft schwere Krankheiten – gut, das ist nichts neues. Aber mit welchen Lebensmitteln wir welche positiven Effekte erleben, hat bisher niemand so gebündelt präsentiert. Der Ernährungskompass ermöglicht uns eine Souveränität, die wir im Bereich der Ernährung selten hatten. Das ist politisch. Und die Konsequenzen erst recht: Wo gehe ich nun einkaufen, welche Produkte kaufe ich? Ernährung ist eng verbunden mit Tierwohl und Klimaschutz. Zwei in der Politik heftig debattierte Themen. Gerade auf die gesellschaftlichen Auswirkungen geht das Buch kaum ein, doch musste ich immer wieder genau darüber nachdenken. Das hat mir gefallen. Ich las das Buch gerne, auch wenn ich öfter Einwände in diesem Bereich hatte oder mich ärgerte, dass er die politische Dimension nicht so würdigte, wie ich es mir gewünscht hätte.

Mittlerweile veröffentlichte Bas Kast auch ein Kochbuch mit Rezepten (Demnächst eine ausführliche Rezension dazu – ich koche gerade viel daraus!), die auf seinen Erkenntnissen basieren. Ich lege aber jeder_jedem dieses Buch ans Herz, der_die eigene Entscheidungen treffen möchte im Hinblick auf Ernährung. Ich hoffe, viele Menschen lesen dieses Buch und denken anschließend über ihr Essen nach und auch, über die politischen Implikationen, die unsere Ernährung hat! 

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Bas Kast: Der Ernährungskompass. Das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung. C. Bertelsmann. ISBN: 978 357 010 319 7, 20,00€. Erhältlich beim Buchhandel in der Nähe.