Auf Wiener Wegen

Auf dem Stadtwanderweg 9 durch den Prater

Der Stadtwanderweg 9 der Stadt Wien ist ungefähr 13,5 Kilometer lang. Mordes, folgt man der guten Ausschilderung, ist es ein beschaulicher Weg. Vom Praterstern hinein in den Prater, geht es erst entlang der Wiesen am Rand der Grünanlage. Hier lasse sich alte Menschen mit ihren Hunden beobachten und ein weinender Obdachloser schält sich gerade aus seinem Schlafsack. Schleichend bewaldet sich die Umgebung. Unter einer Autobahn entlang über Tramschienen, geht es noch einige Kilometer durch Wald, am Lusthaus vorbei. Ab 12 Uhr ließe sich hier einkehren. Kurz hinter dem Lusthaus führt der Weg entlang eines schmalen Gewässers, so schmal wie der Waldweg, auf dem ich tagelang gehen könnte. Lies „Auf Wiener Wegen“ weiter

Minimalismus: Regrets

Minimalismus ist schon wieder out, oder? Die meisten YouTuber_innen haben es nun mal gemacht, haben ein paar Dinge aussortiert, ihre klicks abgeholt und auf zum nächsten Trend. Was das wohl jetzt ist? Ich bin leider ein alter behäbiger Mensch und bin beim Minimalismus hängen geblieben. Über positives und auch negatives habe ich hier auf dem Blog (333-Challenge und Selbstbetrug Minimalismus?) geschrieben bzw. darüber im Podcast (Minimalismus-Podcast) gesprochen. Ich miste auch immer wieder mal aus, doch letztens hat mich zum ersten Mal ein leises ungutes Gefühl beschlichen.

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Trendsport: Bouldern

Bouldern liegt im Trend. In mehr und mehr Städten eröffnen Boulderhallen und die sind meistens gut gefüllt. In Hannover öffnete letztes Jahr die zweite Halle ihre Tore und beherbergte schon einen Spieltag der deutschen Boulder Bundesliga. Was macht diesen – nun – ehemaligen Nischensport zu einem der großen Trends der nächsten Zeit im Freizeitsport? Ich bouldere selbst seit erst knapp einem Jahr und weiß genau wie man sich ansteckt mit diesem Virus.

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Willkommen zurück

Manchmal ist es nicht gut, wieder da zu sein. Ich schlendere zwischen den Auslagen herum und sehe, „Literatur“ ist ein Regal, „Spannung“ direkt daneben doppelt so groß. Gut, ist eine Bahnhofsbuchhandlung, hier suchen die Menschen ja sowieso anderes: Rätselhefte, Zerstreuung, Banalitäten. Doch da sehe ich drapiert ganz vorne, zwischen Spiegel und Playboy liegt eine neurechte Zeitschrift. Ich denke mir: stimmt, da gehört sie hin, zu den Pornoheften. Gleichzeitig weiß ich, hier ist sie ganz normal. Willkommen zurück in Thüringen. 

Oktober 2019.

Ist Vergangenheit Zukunft?

Es ist kurz nach der Jahrhundertwende, der kulturelle Verfall der eigenen Gesellschaft scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Es steht überall: in Zeitungen, Zeitschriften und in Büchern. Das Abendland wird untergehen, die deutsche Kultur verfällt. Was kann man da noch machen?

Es gibt allerdings auch eine andere Bewegung. Es sind junge Menschen, die experimentieren mit allem, was modern ist. Ihre Literatur, Kunst und politischen Ansichten erscheinen radikal. Sie fallen mit ihrem Kleidungsstil auf und wollen provozieren. Ihre Literatur ist nicht mehr melodisch und schön, sondern spricht vom Individuum und der Sinnlosigkeit der Zeit. Sie brechen thematische Tabus, wie Gewalt in der Ehe, Sex, Inzest, Mord und so weiter.

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Angolanische Betrachtungen III

Armut ist abzuschaffen. Darin sind wir uns wohl einig. Wahrscheinlich nicht, denn nur mit der Armut der einen haben wir unser Leben begründet. Egal ob lokal, regional oder global. Das Prinzip ist immer dasselbe. Trotz des Fahrstuhleffektes. 

Wir kennen Armut. Wir sehen sie, in der Stadt und auf dem Land. Wir sehen Menschen im Mülleimer suchen. Doch die Art von Armut, die ich aus dem Auto heraus sehe, an der ich vorübergehe, habe ich so noch nicht gesehen. Die theoretischen Modelle relativer und absoluter Armut sind Begriffe. Abstrakte Gebilde um etwas zu beschreiben, dass die meisten, die sie benutzen nie erfahren haben. Mich eingeschlossen. Hier, vor meinen Augen, das ist absolute Armut, im wahrsten Sinne des Wortes Müll essen. Der Armut ausgelieferte Menschen, offenbar ohne Hilfesysteme. Armut, die ich, die wir mit produziert haben. In Geschichte und Gegenwart. Es ist so leicht zu verdrängen. Es tut gut, es zu verdrängen. Doch bahnt sich der Gedanken seinen Weg immer wieder in das Bewusstsein. Jetzt noch direkter, physischer, klarer als jemals zuvor.

Zucker ist Gift, oder? Eine Rezension.

Zucker ist Gift. Das wäre doch mal eine Ansage. Bevor sie aber Diskussionen, Klagen und Wut hervorruft wollen wir relativieren. Wir brauchen Zucker, keine Frage, sonst wäre er nicht in Obst und Gemüse enthalten. Wieso sollte man dann zuckerfrei Leben wie es das Buch von Marianne Falck vorschlägt?

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Keine Ziele Für 2020?!

Ich habe an Sylvester dagestanden und habe keine guten Vorsätze für 2020 formuliert. Das brauchte ich auch nicht. Habe ich doch meine Vorsätze der letzten Jahre noch zu erfüllen. Gut, ich gebe zu, das trifft wohl auf die meisten zu, aber in diesem Jahr habe ich bemerkt, dass mein Jahr 2020 eigentlich schon deutlich früher „verplant“ war. 

Meine Vorhaben für 2020 haben sich im Laufe des Jahres 2019 entwickelt und sind darüber hinaus teilweise auch noch Ergebnis längerer Prozesse. Ich will in diesem Jahr meine Doktorarbeit fertigstellen, außerdem erscheint im April eine Jüdische Miniatur zu Gustav Landauer bei Hentrich & Hentrich – beides war schon eine Weile klar und stand nicht zur Debatte. 

Ebenso, dass ich weiterhin Bouldern und Klettern möchte und hier auch besser werden will. Meine Partnerin und ich habe uns schon im Herbst das Ziel gesetzt, im Frühjahr soweit zu sein, dass wir einen Vorstiegskurs machen können. Technisch ist das nicht zu kompliziert und sie ist schon längst soweit, ich kämpfe leider immer noch bzw. immer wieder mir meiner Höhenangst, die dazu führt, dass ich in der Regel beim Klettern nur deutlich leichtere Routen schaffe als beim Bouldern. Unser Ziel für 2020 ist es, draußen selbstständig klettern zu können. Daran halten wir fest. Doch in meinen Augen ist dies kein Vorsatz für 2020, sondern ein schon langer feststehender Pfeiler auf unserem Weg durchs nächste Jahr. 

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Deutschland. Und sonst so?

Die Tram öffnet zäh ihre Türen. Noch bevor sie ganz geöffnet sind, schlüpfe ich heraus. Meine Füße machen Schritt für Schritt und bringen mich über die Straße. Ich gehe auf den Kopfsteinpflasterstraßen auf den Neuen Markt zu. 

Es ist ein Weg, den ich gut kenne. Hier ging ich Monate zur Arbeit. Durch den Torbogen, klingeln, guten Morgen sagen und ins Anwesenheitsbuch eintragen. Dann wieder hinunter ins Büro. Es war Alltag. Es war schön – gute Arbeit, noch bessere Kolleg_innen. 

Nach langer Zeit, gehe ich wieder den Weg. Meine Füße kennen ihn und folgen dem alten Automatismus. Doch dieses Mal irritiert mich etwas aus den Augenwinkel. Nur einen Moment. Dann ordne ich ein und denke mir nicht mehr viel dabei. Schade ist es dennoch.

Oben treffe ich eine ehemalige Kollegin. Wir unterhalten uns, wie es geht, wie die Projekte stehen. „Und sonst so? Was gibts neues?“ Ihr Kopf nickt durch die Jalousien nach draußen. „Naja, sie stehen jetzt hier, 24 Stunden am Tag.“ Die Verwaltungsmitarbeiterin bringt nun regelmäßig Kaffee nach draußen und hält ein kurzes Schwätzchen. 

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