Rezension: Der Konsumkompass

Der Konsumkompass will Fragen wie Zug oder Auto, Wattepads oder Waschlappen, aber auch Apfel aus Neuseeland oder Deutschland beantworten, „Nicht“, wie die Autorin Katarina Schickling schreibt „mit gefühlten Wahrheiten, etwas zu Plastik und Co., sondern mit Fakten.“ (14) Ein großes Anliegen, es gelingt ihr auch im Verlauf des Buches Ratschläge und Einschätzungen aufbauend auf einer Faktenlage zu geben.

Was will das Buch?

Der Untertitel lautet Gut und nachhaltig leben muss nicht kompliziert sein und die Zusammenfassung ihres Buches bietet sie mit ihren 10 goldene[n] Regeln für ein nachhaltiges Leben. „Nachhaltigkeit“ ist also das Schlagwort unter dem sie den Konsum betrachtet. Hier offenbart sich meines Erachtens eine Schwäche des Buches: Es reduziert Nachhaltigkeit auf Ökologisches. Kann man machen, in jedem Fall hielte ich es für erklärungsbedürftig, was unter ökologisch oder nachhaltig oder was das große Schlagwortes eines Buches auch ist. Sie hätte es definieren und ausführen sollen. Grundsätzlich halte ich es für wichtig, dies über das Buch zu wissen. Ökonomische und Soziale Nachhaltigkeit spielt kaum eine Rolle. Ich finde das Schade, da dies dem Buch deutlich mehr tiefe gegeben hätte, allerdings ist es auch so eine völlig legitime Perspektive.

Ich habe ungefähr 8-9 Stunden Lesezeit für das gesamte Buch gebraucht. Den Hauptteil davon auf einer Fahrt zur Arbeit und zurück, also knapp 6 Stunden. Es liest sich flüssig, das hat mir gut gefallen, leider bin ich gleich zu Anfang über Fehler gestolpert: Fehlende Buchstaben sind mir ein paar Mal im Buch über den Weg gelaufen bzw. haben sich vor mir versteckt – sie fehlten ja. Das ist schade, gerade bei einem Verlag wie Mosaik. 

Das Für und Wider

Katarina Schickling bereitet Studien für viele Themen gut auf, recherchiert nach und geht auch dem ein oder anderen Gerücht nach, wie dem, dass der Apfel aus Neuseeland im Sommer besser ist als der aus heimischer Produktion, der im Kühlhaus lagerte. Das gefiel mir gut. Als Service für uns Lesende ist ein Saisonkalender in den inneren Umschlag gedruckt. Vorne für Obst und hinten für Gemüse, mit einer Einschätzung, was wann mit importierten Anteilen oder nur importiert verfügbar ist. Das ist wahrlich hilfreich.

Für Einsteiger und Interessierte ist es ein wirklich gutes Buch und für diese Zielgruppe sehr empfehlenswert. Ich sehe mich selbst zwar nicht als Öko, habe aber am Buch bemerkt, dass ich mir viele Fragen gar nicht mehr stelle, da ich offenbar recht „nachhaltig“ Lebe – ohne es so richtig zu bemerken. Allerdings, das möchte ich nicht verschweigen, das ein oder andere habe ich selbstredend auch noch dazu gelernt. Beispielsweise wie das genau ist mit dem Recycling, dem Jute- und dem Plastikbeutel usw. 

Ihr kritischer Umgang mit vielen Quellen hat mir gefallen, leider bezog sich dies meistens auf Studien aus der Wirtschaft oder deren Lobbygruppen. Ich kann mir vorstellen, dass hier mehr getrickst wird – das zeigt sie daran, was genau betrachtet, was aus der Rechnung ausgeschlossen wurde  und wie kleine Veränderungen große Auswirkungen in Studien haben können. Das war gut und wichtig. Eine ähnliche Akribie hätte ich mir ebenso bei Studien von BUND, Greenpeace usw. gewünscht und sei es, dass sie feststellt, dass diese Studien transparent und nach klareren Prinzipien gestaltet wurden. Für mich hätte das die Glaubwürdigkeit deutlich erhöht, denn auch die Umweltschutzorganisationen haben ein Interesse an bestimmten Ergebnissen. Das blieb leider etwas unreflektiert. 

Als ein sich selbst erkennender „Nachhaltigkeitsmensch“ mit Fehlern (ich fahre ab und zu Auto, bin letztes Jahr viel geflogen und esse hin und wieder Fleisch…) habe ich mir dann über das Übliche hinaus schon noch ein gewisses Extra gewünscht. 

So beispielsweise bei den bekannten Zahlen zum CO2 Ausstoß von Tieren und damit der große „CO2-Fußabdruck“ von Fleisch. Die Frage, die nicht nur ich mir gestellt habe: Wie ist der Fußabdruck von Wildfleisch? Sie werden ja weder gefüttert noch besonders versorgt?! Bisher habe ich dazu auch keine Angaben finden können – für Tipps in den Kommentaren bin ich dabei sehr dankbar.

Was mir in der Tat missfiel war, dass beim schön ausgebreiteten Fazit eines jeden Kapitels – in Form einer knappen Aufzählung der wesentlichen Punkte – neue Aspekte hinzukamen, die sie im Kapitel weder erwähnt noch ausführlich besprochen hat, sodass diese Empfehlung oder Aussage nicht mit Fakten (wie versprochen) hinterlegt war. Das ist schade, denn dort habe ich teilweise auch interessante Aspekte finden können, über die ich gern mehr erfahren hätte. Ebenso fiel in meinen Augen ihr Kapitel zum Reparieren viel zu knapp aus und über die negativen Wirkungen des Internets – im Hinblick auf den Stromverbrauch – hätte sie noch genauer analysieren können, oder breiter, denn Amazon ist nicht nur problematisch im Hinblick auf sein ökologisches Geschäftsgebaren sondern auch im Hinblick auf die Soziale und Ökonomische Komponente von Nachhaltigkeit, aber da hat Katarina Schickling ja offenbar einen anderen Begriff von Nachhaltigkeit.

Fazit

Insgesamt würde ich das Buch Menschen empfehlen, die sich für „bewussten“ Konsum interessieren und ihren eigenen Konsum kritisch auf den Prüfstand stellen wollen. Für diejenigen, die sich damit hin und wieder schon beschäftigt haben, ist es sowas wie eine Zusammenfassung und Stütze, aber es kommt wenig wirklich neues. 

Was ich aber hervorragend finde und was für mich sehr wichtig ist: Sie ordnet unsere Möglichkeiten selbst etwas über unseren Konsum zu bewirken ein. Das heißt, ihr ist klar und das sagt sie ganz offen: wir können als Konsumierende nicht alles verändern. Vieles, die wirklich großen Dinge, vor allem was CO2 Ausstoß angeht müssen wir gesellschaftlich über die Politik regeln, mit verbindlichen Ansagen, verboten und Initiativen für Veränderungen. Denn die größten Dreckschleudern sind nicht die Privathaushalte. Das macht sie auch immer wieder deutlich und in ihren 10 Regeln für ein nachhaltigeres Leben ist dies auch mit inbegriffen! 

© Mosaik Verlag

Katarina Schickling: Der Konsumkompass. Was sie wirklich über Plastikverpackungen, Neuseelandäpfel & Co. wissen müssen. Gut und nachhaltig Leben muss nicht kompliziert sein.

Mosaik Verlag, 2020, Preis: 20,00€. ISBN: 978-3-442-17866-7. Das Buch gibt es im Buchhandel zu kaufen.

Ich danke dem Verlag für das Überlassen eines Rezensionsexemplares.

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