Planen, Bauen, Fluchen, Fertigbauen: Eine Eckbank

Kopfarbeit ist mein täglich Brot. Da war es an der Zeit sich der Handarbeit zu widmen und da wir für unseren Balkon eine Sitzgelegenheit brauchten, habe ich eine Eckbank gebaut. Wir haben nun klare Linien, mehr Platz und Stauraum. Flexibel ist diese Bank auch noch.

Planung

So einfach wie ich es mir zu Beginn dachte, war es schließlich nicht. Ich habe lange gebraucht, um eine erste Zeichnung zu erstellen, und die Maße zu berechnen. Hing natürlich alles vom angepeilten Holz ab. Inspiration habe ich mir aus dem internet besorgt, vor allem die Vorzüge von Do-it-yourself-Videos habe ich hier kennengelernt, aber auch deren Nachteile: Nicht alles wird so erklärt wie ich es gebraucht hätte. Nun ja, Es war alles berechnet und gezeichnet, ich hatte eine Vorstellung, wir hatten sogar schon alles gekauft und ich hatte alle Bretter und Balken per Hand gesägt. Da fiel meiner Partnerin auf, dass wir, also ich, etwas entscheidendes vergessen habe: ich konnte die Lehne für die Ecke der Eckbank nirgends anbringen… Also habe ich wieder gerechneten hin un her überlebt. Am Ende hatte ich nicht die hilfreiche Idee, sondern meine Partnerin. Es war ein work in Progress  und die ganze Zeit ein learning by doing, doch um ehrlich zu sein, hat es mir gut gefallen.

Einkaufen

Elektrisiert von Aussehen einer ziemlich schicken Bank bei Youtube, von der ich gesehen habe, dass sie gebaut wurde, dachte ich ebenfalls, so gutes Konstruktionsholz brauche ich auch. Doch woher nehmen in Zeiten von Corona? Bei einem Holzhandel fand ich schließlich das begehrte Gut, sie würden liefern, dass der Versand ab einem Warenwert von 1000,– € frei war, ignorierte ich, zeigt es doch das Preissegment an, in dem ich mich umsah. Nach meinen Berechnungen klickte ich mir einen schicken Warenkorb zusammen. Ich kam auf läppische 500€ für mein Projekt. Erst dachte ich, naja, hält ja lange und es ist hochwertiges Material. Doch dann kam mir in den Sinn, dass ich weder die Werkzeuge aus dem schicken Video noch über die Erfahrung verfüge, um die Bank auch so zu bauen. Ich habe zwar meiner Partnerin hin und wieder zugesehen wie sie für uns Betten oder andere Dinge gebaut hat, aber selbst habe ich mich noch nicht daran gewagt. 

So entschloss ich mich auf Baumarktholz, also schnöde Fichte zurückzugreifen. Das mag nicht so eine gute Qualität haben, doch denke ich, wird uns die Bank dennoch die nächsten Jahre begleiten. Dafür zahlten wir dann auch den entsprechenden niedrigeren Preis von ungefähr 130€. Insgesamt hoffe ich, dass es sich gelohnt hat diesen Kompromiss einzugehen. 

Bauen

Ich habe tatsächlich alles selbst gebaut. Die Balken und Bretter hatten eine länge von 2 Metern, sodass ich sie bequem auf dem Balkon per Handsäge zuschneiden konnte. Dadurch sind zwar nicht alle Schnitte gerade, aber alles passt. Insgesamt dauerte es zwei Tage, obwohl ich gestehen muss, dass ich nachdem ich für die erste, größere Bank alles zugesagt hatte, mir aufgefallen ist, dass wir vergessen hatten, die richtigen Schrauben zu kaufen. So schwang ich mich auf mein Fahrrad und radelte zum Baumarkt und kaufte noch eine Packung Schrauben. Ich war zwar Anderthalbstunden unterwegs, aber es war die Mühe wert: Alles hält.

Nachdem ich erst den Rahmen gebaut hatte, konnte ich nach und nach die Bretter für die Verschalung anbringen. Das war zwar viel schwieriger als ich es mir vorgestellt hatte, da ich darauf achten musste, dass alles an der Sitzfläche zum Beispiel ordentlich abschließt oder kein Brett übersteht oder die Lücken nicht zu groß werden. Am Ende stand dort eine Eckbank. Und ich war mächtig stolz auf mich. Zugegeben: Es ist weder ein Meisterstück noch etwas wirklich besonderes, aber für den ersten Versuch eines Akademikers bestimmt nicht übel.

Erkenntnis

Handwerken ist nicht schwer, selbst für Akademiker wie mich. Es ist vielmehr ein Problem des Selbstverständnisses. Die Planung erfordert einiges an Vorstellungs- und Denkvermögen. Ich habe vieles unterschätzt, bin aber dennoch froh es gewagt zuhaben. Es hat Spaß gemacht und ich werde sicherlich weiterhin einiges selbst bauen. Ich kann nur alle dazu ermuntern. Obwohl es keine Geschichte von gesellschaftlicher Relevanz ist, halte ich es dennoch für wichtig, das hier zu teilen. Allzuoft verstricken wir uns in gesellschaftlichen Debatten, vertiefen uns in Gedanken und verlieren den Anschluss ans Körperliche. Sicherlich, man könnte dies für nicht zu wichtig erachten, doch sich selbst zu spüren, rein physischen, ist in Zeiten der Isolation eine gute Gelegenheit nicht nur die Kopfarbeit zu ergänzen sondern neue Erfahrungen zu machen und das, davon bin ich überzeugt, hilft auch bei er Wissensarbeit. Und wenn nicht, so hat man eine Bank auf der man in der Sonne sitzen kann, um ein Buch zu lesen. 

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