Sprachnachrichten

Ist der Nachteil bei Sprachnachrichten, dass man nicht direkt antworten kann? Ich würde ja lieber telefonieren. Doch ich sehe es im Zug, auf der Straße, in Cafés und auch in Autos. Menschen sprechen schnell mal eine Nachricht ins Telefon. So wie der junge Mann vor mir im Zug nach Berlin. 

Er redet und redet, spricht von seinen Plänen für seinen Besuch jetzt und darüber wie toll Berlin doch sei und dass er überlegt dort hinzuziehen. Dann kommt er zu seiner Zukunft und allerlei anderer Themen, nach gefühlten 10 Minuten schickt er die Nachricht endlich ab. 

Mir stellte sich dann die Frage: Wieso telefonieren die Menschen nicht miteinander. Ist das ein Kennzeichen unserer Zeit? Und wenn ja, was sagt es aus? Mir kam eine Idee: Die Menschen werden nicht direkt unterbrochen, mit Fragen oder Reaktionen der anderen. Sie können Reden was und wie sie wollen, ohne Unterlass. Die Reaktion des anderen folgt irgendwann, später. Sie ist losgelöst vom vorher gesagten. Man kann ohne Widerspruch sprechen. Was für ein herrliches Gefühl. 

Eine Konversation ist nicht möglich. Eine Debatte in der sich die Sprechenden und ihre Argumente ineinander verschränken, abwechseln, aufeinander aufbauen ist so nicht mehr möglich. Ziehen wir uns immer weiter auf uns selbst zurück? Reden wird weniger wichtig? Oder ist bei Sprachnachrichten das Reden nur schneller als beim Schreiben und daher das Mittel der Wahl? 

Ich bin sehr gespannt auf die technologischen Entwicklungen der nächsten Jahre, gleichzeitig fürchte ich mich vor der menschlichen Aneignung dieser Technologien. Vielleicht werde ich aber auch nur alt.

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