Zucker ist Gift, oder? Eine Rezension.

Zucker ist Gift. Das wäre doch mal eine Ansage. Bevor sie aber Diskussionen, Klagen und Wut hervorruft wollen wir relativieren. Wir brauchen Zucker, keine Frage, sonst wäre er nicht in Obst und Gemüse enthalten. Wieso sollte man dann zuckerfrei Leben wie es das Buch von Marianne Falck vorschlägt?

Das ist eine gute Frage. Liest man das Buch aufmerksam so wird recht schnell klar, dass mit zuckerfrei eher gemeint ist, keinen zugesetzten Zucker zu essen. Das bedeutet vor allem keine industrielle Nahrung, die stark verarbeitet ist, denn hier findet sich Zucker eigentlich immer. Es ist nun mal ein billiger Stoff, der uns schmeckt und somit für diese Art von Produkten hervorragend geeignet ist. Essen wir die Mengen an (zugesetztem) Zucker, die wir essen, gibt es allerlei unschöne Nebenwirkungen: Übergewicht, Diabetes und viele der heutigen Zivilisationskrankheiten werden durch diesen übermäßigen Zuckerkonsum begünstigt. 

Was genau ist aber dieser Zucker? Eine Frage, die wir uns selten stellen, auch aufgrund der Omnipräsenz des Stoffes und des Wortes. Chemisch so ausgedrückt C12H22O11 und Saccharose genannt. Ein solcher einfacher Zucker besteht aus Glukose und Fruktose, also Traubenzucker und Fruchtzucker. Zucker wird in der Regel eingeteilt in Monosaccharide, Disaccharide und Oligo- und Polysaccharide, was lediglich die Kombination der Zuckereinheiten angibt, also Monosaccharide bestehen aus einer Zuckereinheit, Disaccharide somit aus zwei und so weiter. Diese werden jeweils unterschiedlich aufgenommen und verarbeitet in unserem Körper. 

Solche und noch mehr Dinge lernt man in Falcks knapp 370 Seiten starken Buch. Es ist gerade erst erschienen und lenkt die Aufmerksamkeit beim Thema Zucker auch speziell auf Kinder. Das finde ich gut, denn mich selbst eingeschlossen, wurden und werden Kinder mit Zucker bombardiert. Hier etwas aufzuklären halte ich für richtig. Grundsätzlich zum Thema Zucker informieren kann man sich aber auch mit andern Sachbüchern, die die Forscher zu diesem Thema selbst geschrieben haben, beispielsweise die Bücher von Robert Lustig. 

Das vor allem die Zuckerindustrie ein Interesse an dem hohen Konsum hat liegt eigentlich auf der Hand, wird aber nochmals anschaulich dargestellt. Ebenso wie der große Einfluss, den die Zuckerindustrie und ihre Lobby auf politische Entscheidungen ausüben. 

Inhaltlich geht Falck auf viele Studien ein und versucht diese, wenn sie nicht explizit auf Kinder bezogen, immer wieder auf diese zu übertragen. Das gelingt ihr allerdings vor allem im letzten Drittel des Buches. Obwohl man sagen muss, essen Eltern „gesünder“ oder ausgewogener, tun es ihre Kinder auch, zumindest bis zu einem gewissen Alter.  Hier gibt Marianne Falck wirklich gute Tipps, besonders was das Vermeiden von Zucker zu Hause und der Umgang mit dem Thema und den Kindern angeht. 

Ihr Motto lautet nämlich: Entspannt bleiben! Für Snacks als Zwischenmahlzeiten oder auf Reisen bzw. Fürs draußen sein sowie „Süßes“ stellt sie Rezepte vor, die teilweise spannend und neu sind (und mich sehr neugierig machen), zu einem anderen Teil aber mir auch vor Augen führen, dass die eigentliche Zielgruppe wahrscheinlich eine andere ist als ich, selbst wenn ich schon Kinder hätte. Die Zielgruppe scheint wirklich die breitere Öffentlichkeit zu sein, die sich noch nicht viel mit dem Thema Ernährung beschäftigt hat. Durch Titel und Aufmachung richtet sich das Buch dann insbesondere an Eltern, die nur das beste für ihr Kind wollen. 

So löblich das auch ist, besteht die Gefahr, dass ihre Botschaft zu einseitig aufgefasst wird: Zucker ist Gift: Ohne Zucker wird alles gut. So einfach ist es nicht und das macht Falck zum Glück in ihrem Buch auch deutlich. In erzählerischer Hinsicht, an wenigen Stellen auch inhaltlich musste ich an das Buch von Bas Kast denken, dass ich auch schon rezensierte. Sie bezieht sich an ein zwei Stellen direkt darauf und gibt den meiner Meinung nach auch besten Hinweis: Esst richtiges Essen. Ernährt man sich hauptsächlich durch selbst zubereitete, ausgewogene „gesunde“ Kost, stellt sich nämlich die Frage nach dem Zucker gar nicht. Was aber diese ausgewogene Kost ist, darüber scheiden sich die Geister. 

Insgesamt ist das Buch gut zu lesen und ist ein sehr guter Start ins Thema Ernährung. Dabei sollte man sich allerdings nicht auf ein Makronährstoff oder eine Ernährungsart einschießen. Offenheit sollte das Credo sein sowie das Prüfen der Empfehlungen von WHO und DGE ist zu empfehlen. Grundlegend, was mir geholfen hat, mehr über Ernährung nachzudenken und mich anders zu ernähren war Bas Kasts Der Ernährungskompass. Dem Verlag würde ich ans Herz legen, beim nächsten Buch ein aufmerksameres Lektorat durchzuführen bzw. Durchführe zulassen, da sich hin und wieder doch schon nicht nur Rechtschreibfehler sondern auch grammatische Fehler finden. 

© Heyne Verlag

Marianne Falck: Zuckerfrei von Anfang an. Wie wir unsere Kinder ganz einfach ohne das süße Gift ernähren können. Für gesunde und ausgeglichene Kinder! München: Wilhelm Heyne Verlag, 2020. Preis: 12,99€          ISBN: 978-3-453-605-237, erhältlich in der Buchhandlung Ihres Vertrauens! 

Ich danke dem Verlag für die Überlassung eines Rezensionsexemplars.

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