Deutschland. Und sonst so?

Die Tram öffnet zäh ihre Türen. Noch bevor sie ganz geöffnet sind, schlüpfe ich heraus. Meine Füße machen Schritt für Schritt und bringen mich über die Straße. Ich gehe auf den Kopfsteinpflasterstraßen auf den Neuen Markt zu. 

Es ist ein Weg, den ich gut kenne. Hier ging ich Monate zur Arbeit. Durch den Torbogen, klingeln, guten Morgen sagen und ins Anwesenheitsbuch eintragen. Dann wieder hinunter ins Büro. Es war Alltag. Es war schön – gute Arbeit, noch bessere Kolleg_innen. 

Nach langer Zeit, gehe ich wieder den Weg. Meine Füße kennen ihn und folgen dem alten Automatismus. Doch dieses Mal irritiert mich etwas aus den Augenwinkel. Nur einen Moment. Dann ordne ich ein und denke mir nicht mehr viel dabei. Schade ist es dennoch.

Oben treffe ich eine ehemalige Kollegin. Wir unterhalten uns, wie es geht, wie die Projekte stehen. „Und sonst so? Was gibts neues?“ Ihr Kopf nickt durch die Jalousien nach draußen. „Naja, sie stehen jetzt hier, 24 Stunden am Tag.“ Die Verwaltungsmitarbeiterin bringt nun regelmäßig Kaffee nach draußen und hält ein kurzes Schwätzchen. 

Alle bedauern, dass sie da sind und doch sind sich alle einig, es geht gerade nicht anders. Ein beklemmendes Gefühl bleibt während unseres Kolloquiums. Es ist Oktober 2019 und die Polizei bewacht nun ein Forschungsinstitut für jüdische Geschichte. Deutschland und sonst so?

Der Beitrag gefällt dir? Teile ihn...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.