Angolanische Beobachtungen II

Während wir am frühen Morgen über die leere Straße an der Bucht entlang gehen, fällt mir auf, dass in dieser schwülen Hitze, mein Jutebeutel nur die Hipstervariante der Nettotüte meiner Eltern ist. Während die Sonne die Abfälle im Container nur Gammeln bringt, suchen Menschen darin nach Essen. Wir gehen vorüber, sehen weg, wohl wissend, dass wir gleich in einem klimatisierten Haus am Tisch, Kaffee, Wurst, Marmelade und sogar Nutella zum Frühstück essen. Währenddessen fängt die Haushaltshilfe an Wäsche zu bügeln, das Haus zu putzen oder abzuwaschen. 

Es ist absurd. Jeden Tag. Für 3 Wochen. Ich bin froh dort nicht für 18 Monate zu sein. Immer wieder dieser Gedanke. Zum Glück kannst du weg. Ist es Arroganz? Ist es Unsicherheit? Diese Fragen begleiten mich noch immer und eine Antwort finde ich wohl erst mit der Zeit, noch ist sie nicht da. 

Die Nettotüte dient dem selben Zweck wie mein Jutebeutel: Badesachen, Mückenspray, Sonnencreme, Brillen transportieren. Und doch, jeden Morgen, mein innerliches Kopfschütteln über diese Tüte. Über das zur Schau tragen eines Lebensmittelgeschäftes, das Produkte bereithält, die hier unerschwinglich sind. Aus einem Land, tausende Kilometer entfernt und mit uns dennoch präsent. dann dieser frühe schwüle Morgen, an dem mir klar wird, dass mein Jutebeutel der Bodelain Library nichts anderes ist als die Tüte: ein Symbol. Sind wir lebender Hohn für die Menschen hier?

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