Angolanische Beobachtungen I

Es ist wie eine Blase in der man lebt. So abgedroschen dieses Bild auch ist, trifft es zu. Die wenigen einheimischen Freundinnen junger und alter meist weißer Männer, sitzen nur da, sprechen kaum, spielen mit ihrem Handy. 

Es geht hoch her an diesem 1. Januar 2020 – eine lange Tafel steht auf der Dachterrasse und gut 20 Menschen kommen dort zusammen. Viele sind „richtige Männer“: Hafenarbeiter, Schweißer, Schlosser, Mechaniker. So sind denn auch die Themen: Frauen, warum die Menschen hier nicht arbeiten wollen würden und so weiter. Dazu gibt es Bier, Ricard und Wein.

Ich rede mit einem Rassisten, wende mich ab und spreche lange mit J., der mit 17 Jahren zur Fremdenlegion ging und dort Französisch lernte. Jetzt lebt er hier in Angola, mit Frau und Kindern. Hinter seinen Sprüchen und dem harten Getue scheint eine Emotionalität auf, die er nie öffentlich zeigen würde. 

Dieser Tag bleibt mir noch lange im Gedächtnis, weil diese Runde so verrückt ist, so entrückt. Ein französischer Apéro auf einem Dach in Angola. Einheimische sind nur Zuschauer. Es ist für mich eine Metapher dieses ganzen Lebens, in das ich hineinschauen darf. 

Nicht gemeinsam, aber ebenso nicht scharf getrennt. Hierarchie wird bewahrt und aufgehoben in unterschiedlichem Sinn. Die Männer, die hier Autos und Wohnungen gestellt bekommen, dazu ihren Lohn und Essensgeld, hätten all dies nicht in ihrer Heimat. Hier sind sie wer, dort wäre sie nur einfache Arbeiter. Niemand spricht es aus, aber ich in mir sicher, in jedem Kopf steckt auch das, es ist wohl auch ein Grund, warum viele hier selbst über Jahrzehnte bleiben. Die Welt nur durch eine Fensterscheibe wahrzunehmen erschrickt mich. Ich bin froh als ich dieser Blase wieder entfliehen konnte.

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