#raus-und-machen: 3-Tage-Harz-Wanderung

Über Himmelfahrt sind wir aus der Stadt geflohen. Meine Freundin und ich haben uns drei Tage ausgeklinkt und sind auf einem Stück des Harzer Hexenstieg gewandert.

Nur drei Tage und soweit ist es gar nicht, sicher nur 30 oder 40 Kilometer. In Schweden sind wir mehr gelaufen. So ähnlich hörte es sich an als ich meine Freundin überzeugen wollte, mit mir wandern zu gehen. Lange brauchte ich dafür nicht. Ein Termin war auch schnell gefunden: Himmelfahrt. Das erste Mal seit 10 Jahren hatte ich Zeit (vorher war ich entweder auf der Konferenz oder dem Treffen meines Jugendverbandes) und wir wollten es zusammen verbringen. Pfingsten ging nicht, da würde ich in Lyon auf einer Konferenz sein. 

 Der Weg

Kurz entschlossen holte ich die Wanderkarte hervor und wir suchten nach einer Strecke mit der wir beide leben konnten. Wir entschieden uns für den Weg von Osterode am Harz bis zum Brocken. Schön aufgeteilt würden wir also am ersten Tag nach Buntenbock laufen und auf einem (im Internet) idyllisch aussehenden Campingplatz schlafen; Entfernung: circa 10 Kilometer. Am nächsten Tag werden wir von dort in Richtung Altenau laufen, müssen dann aber zur Okertalsperre abbiegen, da es dort einen Campingplatz für uns gibt. Er liegt direkt am Wasser und wir sind gespannt, ob wir baden können. Entfernung: so 10 bis 15 Kilometer (ganz sicher sind wir uns nicht). Am letzten Tag laufen wir nach Torfhaus und checken in der dortigen Jugendherberge ein, um dann mit kleinem Gepäck noch auf den Brocken zu laufen. Das werden wohl 20-30 Kilometer sein. Am Sonntag geht es dann mit dem Bus nach Bad Harzburg und von dort aus mit dem Zug zurück nach Hannover. So war der Plan. 

#Raus-und-machen?

Der Hashtag wird eigentlich für Mikro-Abenteuer benutzt. Unser Abenteuer passt nicht in die Definition, aber wir sind raus gegangen und haben was gemacht. Dafür passt dieser Hashtag in meinen Augen dann doch sehr gut. Deshalb werde ich in Zukunft Berichte von solchen Ausflügen und Kurztrips damit versehen. Die Mikro-Abenteuer-Gemeinde mag es mir nachsehen, doch ich bin immer froh, wenn wir mal rauskommen.

Tag 1 Osterode nach Buntenbock

Unsere Anreise verlief unkompliziert. Es war ja Feiertag, sodass wir auch erst gegen 10 Uhr losgefahren sind und zwei Stunden später in Osterode am Bahnhof Mitte ging es dann los. 

Wir waren nicht die schnellsten, denn für die erste Strecke brauchten wir knapp vier Stunden. Es ging fast die ganze Zeit auf Forstwegen durch den Wald. Nur ein, zwei Mal kamen wir an einem Aussichtspunkt vorbei. Öfter trafen wir aber vor allem junge Männer, die rauchend und trinkend durch den Wald zogen. Leider belegten sie immer wieder Rastplätze, aber das war schon in Ordnung. 

Es ging die ganze Zeit bergauf. Nicht sehr stark, dafür konstant. Wir mussten uns an diesem ersten Tag noch “einlaufen”, wir sind ja gerade erst gestartet. Ich hatte etwas Sorge wegen meiner Wanderschuhe. Als ich letztes Jahr in England angefangen hatte sie einzulaufen, drückte eine Niete auf meinen Fuß, was sehr schmerzhaft war. Nun hatte ich dieses Problem auf einmal gar nicht mehr – zu meiner großen Freude. Leider ging es nach einigen Kilometern an anderer Stelle los: meine Ferse rutschte etwas, langsam aber sicher rieb ich mir da was auf. Kurz bevor wir also an unserem Ziel, dem Campingplatz Prahljust, ankamen, wechselte ich in meine Barfußschuhe. Das tat meinen Füßen gut und ich dachte, es ist ja nur für das letzte Stück.

Der Campingplatz liegt idyllisch an einem sehr kleinen See, gegenüber sieht man Kühe weiden. Außerdem ist er direkt am Weg und man braucht nur 3-5 Minuten gehen, um ihn zu erreichen. 

Wir waren froh, nach diesem ersten Tag endlich anzukommen. Als Belohnung gab es im Restaurant am Platz etwas Herzhaftes zu essen. Zwar war der Abend nicht besonders leise, aber irgendwann kann man ja immer einschlafen. 

Tag 2 Buntenbock nach Altenau 

Am nächsten Morgen waren wir guter Dinge und wollten früh los. Gegen 9 Uhr verließen wir den Campingplatz mit dem festen Glauben, dass wir Mittags schon in Altenau sein werden. Direkt am Weg gab es keinen Campingplatz mehr, sodass wir einen Platz an der Okertalsperre gefunden haben, etwas oberhalb von Altenau. 

Der Weg fing wirklich schön an, durch Wälder auf kleinen Pfaden, an Seen vorbei und dann immer weiter. Die Strecke war deutlich abwechslungsreicher, kamen wir doch irgendwann zu einem Damm. Wir liefen oben, am Wasserlauf und weiter unten sahen wir die Motor- und Fahrräder auf der Straße den Harz unsicher machen. 

Dann verließ uns aber unsere Karte und die Orientierung bzw. wie wir später erklärt bekommen haben, deuteten wir ein Schild falsch. Wir verliefen uns also. Zu Beginn dachten wir, wir sind richtig. Wir trafen auf einem schlechten Forstweg ein anderes Wanderpaar, das gerade überlegte, ob es noch richtig seien. Markierungen gab es nämlich nicht. Die beiden brauchten Wasser und suchten daher einen Brunnen, der ausgeschrieben war. Wir überlegten nun auch, entschieden aber, dass wir weiterlaufen werden. Nach einer Weile entdeckten wir, dass wir tatsächlich falsch waren, aber auch wie wir zurückkommen auf den Weg. 

Nach ein paar Minuten an einer Landstraße gingen wir durch den Wald und kamen nach gut 20 Minuten wieder auf den Hexenstieg. Darüber waren wir wirklich erleichtert. Es ging bergauf und bergab. Einmal umrundeten wir fast vollständig eine kahle Hügelkuppe, auf der alle Bäume gefällt waren. 

Der Weg zog sich hin und uns taten an unterschiedlichen Stellen die Füße weh. Irgendwie hatten wir uns verschätzt. Wir rafften uns auf, nur noch um die nächsten zwei Ecken. Dann waren wir da. Zumindest fast. 

Wir waren oberhalb von Altenau und gingen an der Skipiste vorbei hinab zum Ort. An der Hauptstraße fanden wir einen Bäcker, der uns mit Kaffee und Kuchen belohnte und wir hatten eine kleine Verschnaufpause. 

Nachdem wir uns gestärkt hatten, entschieden wir noch einen kleinen Umweg hinauf zum Brockenblick zu machen. Ich erhielt einen weiteren Stempel für meine Harzer Wandernadel und wir konnten unser Ziel schon in den Blick nehmen. Am nächsten Tag wären wir ja schon dort. Nach dem kurzen Aufstieg, ging es dann durch den Wald und an der Straße entlang bis zum Vorbecken der Okertalsperre, wo unser Campingplatz lag. 

Dieser wurde von einer sehr sympathischen niederländischen Familie geführt. Sie nahmen uns herzlich auf und wir hatten einen sehr ruhigen und schönen Platz für unser Zelt. Die Wanderung dauerte doch länger als gedacht. Wir schoben das auf unsere Pause und vor allem unseren Umweg. Ich war froh, dass der Tag vorbei war und meine Barfußschuhe den ganzen Weg durchhielten. Neue Blasen bekam ich nicht, nur die Wegstrecken mit vielen Steinen waren etwas hart. 

Im hauseigenen Restaurant aßen wir hervorragend. Frisches,  selbstgemachtes Essen. Uns ging es wirklich richtig gut an diesem Abend. Wir saßen noch vor unseren Zelt und tranken Radler, als wir die beiden anderen Zelter kennenlernten, die auf unserem Rasenstück schliefen. Sie waren mit Bahn und Fahrrad unterwegs, um hier im Okertal klettern zugehen. Wir tauschten uns aus und unterhielten uns angeregt. Mit einem guten Gefühl stiegen wir spät in unsere Schlafsäcke. Morgens 8 Uhr am nächsten Tag sollte es wieder losgehen. 

Tag 3 Altenau nach Torfhaus und zum Brocken

Wir schafften es, sehr pünktlich loszugehen. Uns war klar, dass der Tag der anstrengendste sein wird und so waren wir wirklich gespannt darauf, wie die Wanderung sein wird. 

An Altenau vorbei gingen wir in Richtung Hexenstieg und trafen oberhalb des Ortes wieder auf unseren Weg. Dann ging es durch wirklich schöne Wälder, auf tollen Wegen. Leider wurden wir umgeleitet, da wahrscheinlich der Magdeburger Weg noch wegen der Sturmschäden des Jahres 2018 nicht begehbar war. Wir mussten also einen Umweg gehen. Der war gut ausgeschildert und wir fanden uns dann den Berg Richtung Torfhaus hochschlurfen. Uns tat alles weh, da wir bis hierin schon viele anstrengende Kilometer gelaufen waren. Durch eine freigeschnittene Schneise konnten wir dann endlich auf den Hexenstieg zurückkehren und machten die letzten Meter voll. Schließlich kamen wir in Torfhaus an und konnten unsere großen Rucksäcke in der Jugendherberge abstellen. Dort hatten wir für die Nacht ein Zimmer gebucht, denn Zelten kann man in Torfhaus nicht. Von Wandervereinen waren wir im Vorhinein abgewiesen worden, da die Häuser an diesem Wochenende schon von deren Mitgliedern genutzt wurden. 

Wir packten also einen kleinen Rucksack und machten uns auf in den Ort. Es war Mittag und wir mussten unbedingt etwas essen. Nach diesem Imbiss und ohne unsere großen Rucksäcke fühlten wir uns leicht und schnell. 

Den Aufstieg zum Brocken machten wir dann auch in zwei Stunden. Es ist wirklich ein netter Weg und selbst die Brockenbahn kam vorbei. Da das Wetter so hervorragend war, platzte der Brocken aus allen Nähten. Es war unglaublich voll. Wir füllten also unser Wasser auf, aßen ein Eis und genossen den weiten Blick. Dann machten wir uns an den Abstieg, denn wir mussten noch offiziell einchecken. Nach zwei weiteren Stunden kamen wir an der Herberge an und bekamen unser ruhiges Zimmer. Wir schliefen wirklich sehr gut und konnten am nächsten Tag entspannt abreisen. 

Erfahrungen

Insgesamt liefen wir an unseren drei Wandertagen gut 68 Kilometer. Am ersten Tag kamen wir insgesamt auf 18 Kilometer, knapp 19 waren es dann am Freitag in Richtung Altenau. Über Torfhaus zum Brocken legten wir knapp 31 Kilometer zurück. Das war ein ganz schön guter Schnitt, mit dem wir gar nicht gerechnet hatten. 

Eigentlich sind dies ja nur zwei Etappen des Hexenstiegs. Die erste geht bis Buntenbock und die zweite wäre über Altenau nach Torfhaus verlaufen. Wir wollten aber von Anfang an nicht unbedingt schnell viel schaffen, sondern eine schöne Wandertour gehen. Das es am Ende dann doch so viele Kilometer werden, damit hatten ihr gar nicht gerechnet. 

Ich bin auch überrascht, dass meine Barfußschuhe so gut mitgemacht haben, da ich nur am ersten Tag meine Wanderschuhe trug. Für mich haben die Schuhe damit den Stresstest bestanden und ich werde wohl noch öfter in ihnen wandern gehen. 

Trotz der Anstrengung (oder deswegen?) haben wir beide Lust, im Sommer von Thale aus zum Brocken zu laufen. Dann hätten wir auch den ganzen Weg abgeschlossen. Im Sommer soll es aber ohne Zelt sein, mal sehen, wie schnell wir dann sind und ob es einen großen Unterschied macht. 

Die Wanderung im Harz war für mich ein echter Urlaub gewesen, obwohl es nur ein paar Tage waren, fühlte ich mich erholt und vor allem, als ob wir über eine Woche unterwegs gewesen wären. Ich kann eine solche Wanderung  also nur empfehlen! 

Danke fürs Lesen und bleibt mir gewogen.

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